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Für Frustopfer des “Kassensturz” und alle, die beim Konsumieren auch etwas denken

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Mario Gmür: Medienopfersyndrom

Gmür reiht eine stattliche Zahl von Situationen auf, in denen das Medienopfersyndrom richtigerweise ein Thema war oder hätte sein sollen. Hier trägt der Autor auch etliches zur begrifflichen Klärung bei. Das ist eine rechte Leistung, die den Kauf des Buches ohne Zweifel rechtfertigt.

Die vier grossen historischen Medienskandale sind wiederum eine höchst interessante und anregende Fundgrube für alle, die über Medienopfer diskutieren wollen. Mehr gibt die Fundgrube aber nicht her. Vor allem enthält sie keine Interpretationshilfen, was vor allem im jüngsten Fall, jenem um Thomas Borer, zu bedauern ist. Nach wie vor bestehen zu diesem Fall, der möglicherweise gar kein „Fall Borer“ ist, noch grundlegende Zweifel. Und es ist zwingend zu vermerken, dass Borer seit Beginn seiner Karriere beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA auf eine neue, andere Diplomatie gesetzt hatte. Er sagte es ja immer wieder, dass man heute von einer aktiven, der Medienwelt zugewandten und deshalb personalisierten Diplomatie ausgehen müsse, die sich grundlegend vom traditionellen französischen Muster unterscheidet. Schon deshalb musste sich Borer von seinem wenig innovativen konservativen Chef Joseph Deiss deutlich abheben. Er wählte ganz klar den frechen, riskanten Weg. Was die Frage rechtfertigt: War Borer eigentlich Opfer oder Täter?

Noch mehr Zweifel an der Qualität des Buches kommen auf, wenn man den Versuch Gmürs studiert, die Medienopfer einer Kategorie zuzuordnen und kategorienweise Symptome und Folgen aufzuzeigen. Man kommt den Eindruck einer gewissen Hilflosigkeit nicht recht los, der sich angesichts der Unlogiken und der mangelnden Eindringtiefe ergibt. Vollends unbrauchbar ist das Kapitel, in welchem Gmür seine Gebote für Medienschaffende aufstellt. Diese Liste wirkt nicht nur betulich und überholt, sie führt vor allem keinen Schritt weiter. Hier fehlt es erst recht an Differenzierung, die natürlich bezüglich Medien gewisse Kenntnisse voraussetzen würde, die im vorliegenden Buch ganz einfach nicht aufscheinen. Darüber täuscht auch der deutlich lehrerhafte Ton des Buches nicht hinweg.

Mario Gmür: Das Medienopfersyndrom. München 2007.

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