„Wer sich zu so etwas herablässt, der hat das Recht verwirkt, in einer Debatte über Werte ernst genommen zu werden“, so straft Gerhard Henschel jene ab, die sich in der billigen Welt der skandalsüchtigen Medien herumtreiben. Henschel spricht vom Haifischhunger der Journalisten und natürlich auch von der Geschäftstüchtigkeit der Leute, die von der Sensationslust profitieren.
Der Beitrag „Die neuzeitliche Inquisition“ enthält zwar keinen Passus aus der historischen Zeit der Inquisition“, und der Untertitel „Zur Geschichte des journalistischen Rufmords“ ist reichlich vermessen. Trotzdem ist seine Darstellung der publizistischen Umtriebe des Herausgebers der „Fackel“, Karl Kraus, recht erhellend. Was damals, in den letzten Jahrzehnten des deutschen Kaiserreichs, journalistisch vor sich ging, liess erahnen, was noch folgen sollte.
Und in umgekehrter Richtung: Henschel blendet ganz kurz zurück und hält fest, dass zwar Gutenbergs Druckerpresse es erst ermöglichte, üble Nachreden rasch und grossflächig zu verbreiten. Aber man könne davon ausgehen, sagt Henschel, dass es in der schriftlosen Zeit der Geschichte um das Menschengeschlecht nicht besser gestellt war: „Es spricht jedenfalls nichts dafür, dass unsere Ahnen sich an ihren prähistorischen Lagerfeuern des Palaverns über die Abartigkeit eines feindlichen Stammes oder über die Verrücktheit einer verfemten Sippe enthalten hätten.“
Wer diese Aussage weiterdenkt, landet dort, wo eigentlich jede Verurteilung der Medien enden müsste, in der Erkenntnis nämlich, dass die Medien sich genau so verhalten die Menschen in ihrem Publikum. Nicht besser, und nicht schlechter. Und die Menschen haben halt jene Medien verdient, die sie gerade haben. Henschels Urteil ist hart, aber gerechtfertigt.
Gerhard Henschel: Die neuzeitliche Inquisition. In: Rufmord und Medienopfer. Hrsg. Von Christian Schertz und Thomas Schuler. Berlin 2007.







1 Kommentar ↓
1 K A S S E N S T U R Z B L O G » Post Topic » Kassensturz vom 10.6.2008: knappes Erdöl // Jul 16, 2009 at 07:54
[...] Inquisition, über die Gerhard Henschel so schön schreibt, hatte schon immer Probleme mit sich [...]
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