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Für Frustopfer des “Kassensturz” und alle, die beim Konsumieren auch etwas denken

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Kassensturz vom 30.10.2012 zum Preisbarometer

Oktober 31st, 2012 · Kommentare

Etwas, was für den Konsumenten “von grossem und ganz konkretem Nutzen” sein könne. So grossmaulig wurde im “Kassensturz” der neue Preisbarometer angekündigt. In diesem allzu knappen und deshalb dürftigen Hinweis wurde das neue Internetportal am Beispiel Feuchttüchlein vordemonstriert, mehr war nicht zu haben. Der “Kassensturz” erwies sich als nicht in der Lage, ein aktuelles Thema sauber aufzuarbeiten. Ärgerlich, wenn man bedenkt, dass diesmal die Thematik haargenau ins Profil des “Kassensturz” gepasst hätte. “Lausig”, so könnte man die erbärmliche Leistung wohl am treffendsten bezeichnen, bei der man den Ball dem Radiogefäss “Espresso” des nächsten (!) Tages zuschob, als ob man Internetauftritte dort besser erörtern könnte. Oder hat sich der “Kassensturz” über den Preisbarometer geschämt, seiner Kritik aber wegen Befangenheit nicht Ausdruck geben wollen?

Steuergelder in den Sand gesetzt

Hinter dem Preisbarometer stecken nicht nur Konsumentenorganisationen (SKS, kf, FRC und ACSI), sondern auch beträchtliche Bundesmittel, bei denen man den Eindruck nicht loswird, hier seien Steuergelder blindwütig in den Sand gesetzt worden. Wenn Bundesbehörden keine eigenen Einfälle haben, werfen sie gerne fremden Veranstaltern Geld in den Rachen. Gerechtfertigt werden diese Bundesbeiträge mit “Massnahmen gegen die Preisinsel Schweiz”. Hier haben denn auch offensichtlich Insulaner mitgewirkt, die nicht weit genug gedacht haben. Wenn man schon Schweizer Angebote mit deutschen und französischen vergleicht, sollte man es auch richtig tun. Richtig wären beispielsweise korrekte Abgrenzungen. Wenn Herr Schweizer an die deutsche Grenze fährt, um im deutschen Geschäft billiger einzukaufen, darf man eben nicht nur die Produktpreise vergleichen.

Es gehörten auch Fahrtkosten (nicht nur Autokosten, sondern auch beanspruchte Zeit) und die Umweltbelastung dazu. Vor allem aber dämpft der Preisbarometer nicht etwa den unsinnigen Einkaufstourismus zurück, sondern er fördert ihn. Und dass von ihm ein Druck auf die inländischen Anbieter in Richtung Preissenkung ausgehen könnte, glaubt wohl niemand ernsthaft. Wenn schon werden die Anbieter in der Schweiz vermehrt werben, und Werbekosten wurden schon immer dem Produkt angelastet. Schliesslich müsste, wer immer bloss die Produkte vergleicht, auch die Löhne heranziehen. Denn wo es in Europa höhere Preise gibt, liegen meistens auch die Löhne höher, sodass der Konsument nach richtigem Durchrechnen gar nicht so ungleich belastet wird. Das ist auch logisch: Im Hochpreisland Schweiz stecken wie anderswo auch Lohnkosten drin, eben die Kosten des Hochlohnlandes Schweiz. Die lassen sich doch nicht einfach wegzaubern.

Mangelhafte Umsetzung

Wer vorgaukelt, dem Konsumenten mehr Transparenz zu verschaffen, müsste sich um einiges gründlicher in die Sache einarbeiten. Hier waren Amateure am Werk. Das sieht man schon an den Mängeln in der Internet-Umsetzung. Das Sortieren nach Kategorie beispielsweise bringt nichts, weil die Kategorien schlicht nicht ablesbar sind. Irritierend ist auch die Unterscheidung von “News” und “Informationen”. “FAQ” hätte es heissen sollen, nicht “Informationen”. Man ruft zwar die Internetnutzer auf, interessante Hinweise zu melden. Aber es gibt keine Dialog-Rubriken, keine einzige! Nirgends ein Platz für Feedback, nirgends eine Rubrik, wo positive oder negative Berichte über den Preisbarometer nachzulesen wären. Ein Scheuklappenportal – mehr ist aus den teuren Geldern nicht geworden. Die Illustration ist so dürftig, dass man den Veranwortlichen empfehlen müsste, zunächst einmal einen Visualisierungskurs zu absolvieren, oder wenigstens nachzuweisen, ob sie auch nur eine Spur Kommunikationserfahrung besitzen. Man hätte das Portal unbedingt journalistisch und nicht so langweilig statistisch aufziehen müssen. Die Preise bewegen sich ja, die Differenzen ebenfalls das müsste man journalistisch nutzen. Wenn schon zu Preissenkungen im Inland angereizt werden soll, dann müsste dies auch positiv vermarktet werden. Hier aber schläft ein Internetkind seinen friedlichen Babyschlaf.

Von den Sprachproblemen ganz abgesehen. Nach Imperativen folgt im Deutsch zwingend ein Ausrufungszeichen. Wer in der Wir-Form schreibt, muss gleichenorts (!) sagen, wer das genau ist. Wer nämlich dem Preisbarometer ein Mail schickt, bekommt Antwort von der Stiftung für Konsumentenschutz. Wir, die Stiftung? Die Titel der einzelnen News sind so substanzarm und reizlos, dass das Lesen zur Zumutung wird. Vielleicht sollte man den Schreibenden einmal erklären, dass es in journalistischen Texten kein “heute” gibt, so wie es kein “gestern” und ”morgen” gibt, besser auch kein “uns”. Aber es gibt ja auch keinen sauberen Newsaufbau, wie man am Grundtext nach Titel und Lead sofort erkennen kann. Banale handwerkliche Fehler, die zum ganzen trostlosen Bild passen.  Und bei den Präsentationen müssten die Klickflächen logischer angezeigt werden. Hier wären Aufklappmenüs besser gewesen: Also “Länderauswahl” und darunter die Varianten für die Ländervergleiche (Schweiz – Deutschland, oder Schweiz – Frankreich). So aber irrt der Nutzer umher.

Der Umgang mit News ist geradezu widersinnig. Die erscheinen nicht etwa als anklickbare Homepage-Titel, die direkt zum vollen Artikel führen. Nein, der Nutzer klickt vom langweiligen Einzeltitel weiter und erhält als Zweites den Lead. Klickt er auf diesen, bekommt er endlich den Volltext zu lesen. Dass es mehr als den Lead zu lesen gibt, wird ihm allerdings nur angedeutet. Die meisten Nutzer werden auf der zweiten Stufe hängenbleiben und dort resignieren. Ein Redaktor, der diesen Volltext übernehmen soll, schüttelt aber schon bei der seltsamen Sperrfrist seinen Kopf und wird beim Titel erstmals den Rotstift ansetzen müssen, weil dort die Gross-/Kleinschrift verletzt wurde.

 

Tags: "Kassensturz"-Beiträge · Internet

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