Zahlreiche Bücher sind in der Schweiz endlich günstiger. Doch schon bald soll damit wieder Schluss sein: Die Branche treibt die Einführung einer rigorosen Preisbindung voran. Bücher sollen per Gesetz 20 Prozent teurer sein dürfen als in Deutschland. Selbst für Bücherkäufe im Internet soll das Preisdiktat gelten.
Diesen Beitrag darf man deshalb als besonders gelungen bezeichnen, weil er nicht der Schwarzweissmalerei verfiel, sondern die Situation in ihrer schwierigen Differenziertheit darstellte. Dazu trug die eingangs erwähnte Studie der Hochschule für Wirtschaft in Olten denkbar wenig bei, sie hätte doch aufzeigen müssen, wie sich eine Rückkehr zur Preisbindung bei den einzelnen Teilnehmern des Buchmarktes auswirken würde.
Überaus klar war dafür Ueli Schmezers Interview mit Marianne Sax, der Präsidentin der Schweizer Buchhändler und Verleger, die auf ihrer Website gute Informationen bereitstellen. Zunächst wurde einleuchtend dargestellt, dass es möglich ist, eine Schweizer Preisbindung auch für Amazon in Deutschland verbindlich zu erklären, dieser Internetanbieter ist ja den Umgang mit Preisbindungen in andern Ländern gewöhnt. Dieser Punkt dürfte dem Zuschauer klar geworden sein.
Marianne Sax argumentierte hervorragend: Wenn die Schweiz allein ohne Preisbindung dasteht, spielt sie unnötigerweise die Winkelriedrolle, und dies ausgerechnet im gefährdeten Kultursegment des Buchhandels. Es ist tatsächlich nicht einzusehen, weshalb gerade das Buch herhalten muss, um die Schweiz vom Hochpreisniveau herunterzuholen.
Für den mittelgrossen und kleinen Betrieb des Buchhandels gibt es – so war dem Beitrag gut zu entnehmen – zwei Gefahren: das Internet und die grossen Ketten, also Ex Libris, Thalia, Orell Füssli und Weltbild. Die Rückkehr zur Preisbindung, die man 2007 aufgegeben hat, würde zwar die grössere Marge der Grossen nicht schmälern (die ergibt sich u. a. durch bessere Einkaufsbedingungen). Aber sie würde, wenn man Marianne Sax folgt, die mittleren und kleinen Betriebe stützen.
Wenn dies die Branche selber so sieht, gibt es wahrhaftig keinen Grund, ihrer Argumentation nicht zu folgen. Die Zeit ist also reif, das falsche Signal 2007 abzustellen. Ob das Parlament allerdings soweit gehen würde, auch eine bis 120prozentige Überhöhung gegenüber dem Europreis zuzulassen, muss man bezweifeln.





1 Kommentar ↓
1 Tom // Jan 29, 2010 at 09:07
Habe diesen Beitrag im Kassensturz mitverfolgt und habe mir wiedermal erneut darüber aufgeregt. Sagt unsere Bundesverfassung nicht mit den Elementen der Wirtschaftsfreiheit, Eigentumsfreiheit und den weiteren Zielsetzungen in Bezug auf die Wirtschaft, dass wir eine freie Marktwirtschaft anstreben. Das ist ein ordungspolitischer Grundentscheid und m.E. wird dies einfach mal so über den Tisch gefegt. Da ja die Kompetenz besteht Abweichungsnormen zu schaffen. Ich wäre darüber sehr empört, wenn die Buchpreisbindung nochmals Fuss fassen würde.
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