Printmedien fallen immer tiefer in die Krise. Dazu stellt Constantin Seibt, selber mit Auszeichnungen bedachter Journalist, im Tages-Anzeiger vom 7. Mai 2009 die Frage: Wie ist die Zeitung von morgen?
Seine Antwort: die Zeitung wird eine Ergänzung zum Internet bieten müssen: “Die Jagd nach exklusiven Nachrichten ist tot. Kaum veröffentlicht man eine Exklusivität, steht sie Minuten später im Netz. 60 Prozent der gedruckten Schlagzeilen von heute sind dem Leser aus dem netz von gestern bekannt. Zum Teufel also mit der Vollständigkeit.”
Seibt erklärt auch, was die Leser von ihrer Zeitung wünschen: Atmosphäre, Orientierung und Brillanz. Weniger Brei aus Nachrichten. Dafür clevere Kommentare, intelligenter Hintergrund, alles gut, klar, witzig geschrieben und mit perfektem Design: “Die Tageszeitung der Zukunft gleicht einer täglichen Wochenzeitung oder einem täglichen Magazin.”
Er schlussfolgert recht zuversichtlich, dass die Zeitung von morgen nicht sterbe, sie werde grossartig sein. Oder deutlicher: “Sie muss grossartig sein – oder sie stirbt.” Die Zeitung müsse weit besser werden mit weit weniger Geld.
Postskriptum: Constantin Seibt, vom Bernetblog zu Recht als Qualitätsjournalist bezeichnet, gild als unverdächtiger Zeuge seiner eigenen Aussage. Gerade er bietet Brillanz. Und: Der Split wird immer plausibler. Die Zeitung als Orientierungs- und Interpretationshilfe, das Internet für die Selektionierung, Vernetzung und – zunehmend wichtig – für das eigene Einbinden in die Welt der Kommunikation. “Orientierungshilfe” steht auch für Bündelung des Tagesgesprächs, nur: Wer in der Medienwelt wird diese Rolle übernehmen? Das Fernsehen wohl am ehesten, die Tagesschau bietet die Plattform dazu. Da ist der Ort, wo “man” hinschaut.
Ungeklärt bleibt nur, ob das Regionale allenfalls zwischen die Stühle fällt: Wird sich das Internet dieser Thematik je einmal verlässlich annehmen können, oder hält die Regionalzeitung durch, die nicht nur durch das Web bedrängt wird, sondern auch durch das schnellere Radio?






1 Kommentar ↓
1 Gratiszeitung "ch" gibt auf - was längst zu erwarten war | K A S S E N S T U R Z B L O G // Mai 8, 2009 at 06:22
[...] man den Ausführungen Constantin Seibts im Tages-Anzeiger vom 7. Mai 2009 – sieh Kassensturzblog – folgt, muss man erkennen: “ch” verfolgte in der auffälligen Entwicklung von Zeitung [...]
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