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EDAR – rollendes Notbett aus den USA

April 9th, 2009 · Kommentare

Edar: ein fahrendes ZeltbettAm 23. Februar 2009 hatte das ZDF-Magazin WISO über ein “Schlafwägelchen” berichtet, von dem in Europa erstaunlich selten die Rede ist. Das amerikanische Produkt EDAR scheint den Weg nach Europa nicht richtig gefunden zu haben – ist man auf dem alten Kontinent zu skeptisch?

EDAR heisst “Everyone deserves a roof”: Weil eben jedermann ein Dach über dem Kopf verdient, wurde Peter Samuelson aktiv. Er hatte auf einer Fahrradtour zwischen Westwood bei Los Angeles und der Beach von Santa Monica genau 62 Obdachlose gezählt und diese auch interviewt. Darauf startete eer beim Pasadena Art Center College of Design einen Modellwettbewerb für eine mobile Behausung. Eric Lindeman und Jason Zasa gewannen diesen Wettbewerb, und bald einmal waren auch John Ondrasic und Mike Orozco von der Precision Wire Inc. mit von der Partie.

Das Ergebnis ist ein mobiles Gestell, das Obdachlosen gratis zur Verfügung gestellt wird. Es wurde die EDAR Inc. gegründet mit Sitz in Los Angeles, als Koordinatorin nahm Julie Yurth Humot ihre Arbeit auf. Der EDAR kann tagsüber natürlich bewegt und auch abgeschlossen parkiert werden. Es steht auf vier Rädern, die mit Bremsen versehen sind. Nachts ist für die Benützer dieses Wägelchens ein genau definierter Ort bestimmt. In 30 Sekunden, so steht auf der Website zu lesen, ist von Tages- auf Nachtbetrieb umgestellt. Das Vehikel ist regengeschützt, man kann darin Gegenstände abgeschlossen aufbewahren. Vielleicht das Wichtigste: EDAR enthält ein Bett, nämlich eine Matratze und eine Decke, alles auf Holz und Metall gelegt. Eben ein “kleines Zelt auf Rädern”, wie es Caveviews beschreibt.

Selbstverständlich muss irgendwoher Geld fliessen. Hier ist die EDAR Inc. dauernd auf Suche nach Sponsoren, sei es für eine ganze Einheit ($ 500), sei es für die Räder ($ 50) oder für die zeltartige Überdachung ($ 250).

In den Medien ist das Novum recht gut angekommen, so hat die Los Angeles Times am 18. Dezember 2008 darüber berichtet. Los Angeles soll über 73 000 Obdachlose zählen, dazu kommen 141 000 ausserhalb der City. Obdachlosigkeit werde in Amerika zur Epidemie, berichtet Creative Kitsch, das Blog rühmt Samuelsons Lösung, auch wenn diese keine dauerhafte sei.

Im Blog Makezine ist ausser einem Kurzbericht auch der Film zu sehen, den die Los Angeles Times produziert hatte. Ausführlicher und gut illustriert berichtet Stonesoupstation. Die Innovation fand auch Eingang in InventHelp und Salaswildthoughts, sehr ausführlich berichtet zudem Paul Luikart. “Solche Dinge”, schreibt Anothernicole, “sind es, die mich erinnern, weshalb ich stolz bin, Amerikanerin zu sein.” Sie meinte wohl nicht die vielen Obdachlosen, sondern die Initiative Samuelsons.

Natürlich läuft man mit einer solchen Einrichtung Gefahr, nicht integrierte Obdachlose in ihrem Status zu bestätigen. Wer EDAR nutzt, steht in der Regel zwischen den Erstobdachlosen, die fürs Erste immer irgendwo unterkommen, und jenen, die eine solide Lösung brauchen, wenn sie nicht zugrunde gehen sollen. Vielleicht ist gerade dieses Zwischending das grosse Fragezeichen für Hilfswerke und Behörden, die für “ganze” Lösungen sind? Menschen ohne Dach über dem Kopf gibt es natürlich auch in ganz Europa. Hamburg zählt etwa 2500.

Tags: Produkte · Unternehmen

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