Kassensturz, Kassensturzblog, Ronald Roggen

K A S S E N S T U R Z B L O G

Für Frustopfer des “Kassensturz” und alle, die beim Konsumieren auch etwas denken

K A S S E N S T U R Z B L O G header image 2

Aufschlussreiches Spenderverhalten 2008

April 6th, 2009 · 2 Kommentare

Spendenverlauf in der deutschen Schweiz (oben) und in der WestschweizIm Jahr 2008 spendete ein Schweizer Haushalt im Mittel 450 CHF für gemeinnützige Zwecke. Das Spendenvolumen, das 2007 auf 700 Mio CHF geschätzt worden war, stieg auf 830 Mio an. Dies geht aus einer Erhebung des Forschungsinstituts gfs-zürich hervor, dem sogenannten Spendenmonitor. Die Befragung erfolgte zwischen dem 3. Dezember 2007 und dem 29. November 2008.

Die Ergebnisse legen überaus interessante Sachverhalte offen. Erstens spendet ein Mensch mehr, wenn er das Gefühl hat, ihm gehe es gut. Das war bis November 2008 im Vergleich mit der Vorjahresperiode offenbar stärker der Fall. Die Wirtschaftskrise hat zweitens den Spender noch nicht so stark geschüttelt, wie dies möglicherweise in der jetzigen Phase der Fall sein wird.

Drittens geht mit dem guten Selbstgefühl eine generell bessere Bewertung der Hilfswerke einher. In der Medienmitteilung des Instituts wird von einer “ungewöhnlich starken allgemeinen Imageverbesserung” gesprochen. Gemeint ist, dass die Werke als wirkungsvoller, mutiger, moderner, unbürokratischer und ungebundener erscheinen. Das gilt sicher für die Gesamtheit der 35 Auftraggeber-Werke: “Die Menschen übertragen also ihre eigene Verfassung auf die Einstellung zu den Organisationen” – eine höchst interessante Regel, die natürlich auch in umgekehrter Richtung spielen kann (schlechte Verfassung, schlechtes Abbild der Werke).

Diese Regel passt – viertens – gar nicht so schlecht zu einer anderen Entwicklung: Die Wahrnehmung der gemeinnützigen Organisationen in der Öffentlichkeit ist 2008 gesunken. Die Werke gaben, mit anderen Worten, weniger zu reden – auch negativ nicht. Dass die Inlandhilfe punkto Aufmerksamkeit hinter der Auslandhilfe zurückstehen muss, ist ein bekanntes Phänomen.

Innerhalb der Werke wurden – fünftens – jene mit dichter Medienpräsenz wie etwa die Rega und WWF stärker beachtet als die andern, das liegt ja in der Natur der Sache. So bedeutungslos ist also der Bekanntheitsgrad – vor allem auch die ungestützte Nennung eines Hilfswerkes – in der Schweiz nicht. Viele Hilfswerke wie etwa das SRK profitiert davon, dass die Schweizerinnen und Schweizer dieses Werk einfach “gut dargestellt haben wollen”, sich also von allfälligen negativen Meldungen nicht beeinflussen lassen.

Das Aufdecken solcher Trends ist eine erfrischende Ergänzung zu dem, was die tagesaktuellen Medien an wenig haltbarem Futter anbieten. Das ist auch der Grund, weshalb im Kassensturzblog gelegentlich aus den Mitteilungen des Forschungsinstituts gfs-zürich zitiert, so am 17. Dezember 2008 zum Zusammenhang zwischen Konjunktur und der Akzeptanz der Kernenergie, oder am 19. Januar 2009 über die Zukunftsfitness der Schweizer Firmen. Im Blog Time4talks war am 19. Juni 2008 von einer weiteren Meldung des Instituts die Rede, nämlich von der Spendergunst 2007 für Natur- und Umweltschutz.

Der “Kassensturz” favorisiert den Augenblick einer Pfannenexplosion und scheint das, was sich über mehrere Tage hinaus – etwa unter dem Titel Finanz- und Wirtschaftskrise – zusammenbraut, herzlich wenig zu kümmern. Was sollen ihn das Spenderherz und die Moneten der Hilfswerke angehen, wenn der WC-Saugstöpsel dringend einer kritischen Quer- und Alternativbeurteilung verlangt!

Im Übrigen ist es recht reizvoll zu sehen, wer im Web die Medienmitteilung zum Spendenaufkommen überhaupt aufnimmt. Wir stiessen etwa auf die Website Jesus oder Livenet, das Portal der Schweizer Christen, und ähnliche Sites. Rechnen ist also durchaus christentauglich.

Tags: Allgemein · gfs-zürich · Medien

2 Kommentare ↓

Hinterlasse einen Kommentar