Es ist bemerkenswert, was die Schweizerinnen und Schweizer an Sensorium für raumplanerische Fragen entwickelt haben. Lange hiess es, Raumplanung sei überhaupt nicht lobbyfähig und für den Bürger zu abstrakt. Zur üppigen Rechtsprechung und zu einer reichen Bundesgerichtspraxis kamen jedoch viele konkrete Vorlagen auf Kantons- und auf Gemeindeebene. Das machte Raumplanung begreifbar und die Notwendigkeit des sinnvollen Umgangs mit dem Raum zu einem allgemeinen Wunsch.
So erstaunt es nicht, dass 1014 repräsentativ Befragte ihr Bedauern über das Verbauen unseres Bodens ausdrückten. Im Auftrag von Pro Natura hat gfs-zürich, wie gewohnt professionell, nach 2006 und 2007 nun auch Ende 2008 eine Erhebung gemacht. In diesen Zeitabständen ist der Anteil jener deutlich gewachsen, die der Ansicht sind, dass die Siedlungsfläche auf dem heutigen Stand zu begrenzen sei. Dieser Anteil wuchs von 50 auf 54 und schliesslich auf 56 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Befragten sind überzeugt, dass zu viel Land verbaut wird (52, 55 und 55 Prozent). Noch markant höher liegt der Anteil jener Leute, welche die Bautätigkeit in besonders schönen Landschaften einschränken möchten (80, 80 und 85 Prozent).
Das spricht eine deutliche Sprache. Das kritisch hinterfragte Bauzonen-Wachstum nimmt dessen ungeachtet weiter zu. So zeigt die Statistik 2008 des Bundesamtes für Raumentwicklung ARE, dass die heute ausgeschiedenen Bauzonen bis ins Jahr 2030 (!) völlig ausreichend sind, selbst wenn es dann in der Schweiz – entgegen allen Annahmen – 1,4 bis 2,1 Millionen Menschen mehr gäbe als heute. Da bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass die aktive Politik aus diesen Zahlen gute Schlüsse zieht. Vielleicht könnte auch das “Raumkonzept Schweiz” den Anstoss zu einer anregenden Diskussion geben.
Die Problematik findet sich natürlich auch in der Landschaftsinitiative wieder, die unter dem Titel “Raum für Mensch und Natur” läuft und an der Pro Natura beteiligt ist. Bekanntlich sind leider die Anliegen von Umwelt- und Landschaftsschutz auch von der Konjunktur abhängig, in rezessiven Zeiten spricht man weniger davon. Und wenn sich die Veränderungen schleichend vollziehen, werden sie kaum je medientauglich. Man müsste schon ein fotografisches und unbestechliches Auge wie das von Documenta Natura über die Wiesen und Auen schweifen lassen und harte Vergleichsfotos in die Medien bringen, um die Zeitgenossen aufzurütteln.






1 Kommentar ↓
1 gfs-zürich-Studie zeigt geringes Bedrohungsgefühl in der Schweiz | K A S S E N S T U R Z B L O G // Mai 8, 2009 at 18:23
[...] sowie die Klimaerwärmung die Liste, gefolgt von den Zersiedlungsproblemen, vgl. gfs-Erhebung zur Raumplanung. An Bedeutung verloren hat hingegen die Frage der Energieverknappung. Je tiefer übrigens das [...]
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