Strompreise sind in der Schweiz mehr und mehr ein Thema, wir berichteten im Kassensturzblog darüber, nachdem der “Kassensturz” am 21. Oktober 2008 die Strompreise thematisiert hatte.
Um das Verhalten und die Einstellungen von Grosskunden im Hinblick auf die Strommarktöffnung in Erfahrung zu bringen, liessen die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich ( EKZ) vom Markt- und Sozialforschungsinstitut gfs-zürich diese Kunden befragen. Die Studie lässt sich im Detail nachlesen, auf der Website von gfs-zürich oder jener der EKZ.
Seit dem 1. Januar 2009 können Kunden mit einem Stromverbrauch von über 100 MWh pro Jahr ihren Stromlieferanten frei wählen. Bis heute nehmen jedoch nur sehr wenig freie Kunden am Markt teil. Von den gut 1700 marktberechtigten Kunden der EKZ hat lediglich ein Stromproduzent Netzzugang für eine seiner Contracting-Anlagen im EKZ Versorgungsgebiet beantragt. Ein zweiter Kunde hat Netzzugang beantragt, wechselt jedoch den Energielieferanten EKZ nicht.Tatsächlich ist gemäss Studie von gfs-zürich für die grosse Mehrheit der befragten Firmenkunden ein Anbieterwechsel im Moment kein Thema. Immerhin geben 30 Prozent der Firmen an, dass sie einen Wechsel des Stromanbieters im Rahmen der Marktöffnung in Betracht ziehen. Die meisten bereits in den nächsten zwei Jahren.
Der Haupttreiber für einen Wechsel ist der Preis. Der Strompreis ist für Grosskunden von wesentlicher Bedeutung. Mit zunehmendem Stromverbrauch wird er wichtiger. Knapp ein Drittel der Befragten gibt an, dass der Strompreis gar matchentscheidend ist. Er müsste allerdings verglichen mit heute mindestens 11 Prozent höher sein, damit ein Wechsel geprüft würde. Für EKZ Kunden ist der Preis etwas weniger wichtig als für Kunden anderer Stromanbieter.
Die Bereitschaft von Unternehmen, heute oder in Zukunft für ökologischen Strom mehr zu bezahlen, ist kaum vorhanden. Auch EKZ Geschäftskunden sind nicht bereit, für Ökostrom tiefer in die Tasche zu greifen. Gemäss Umfrage sind die freien Firmenkunden übrigens ziemlich sicher, dass in den nächsten 20 Jahren in der Schweiz zusätzliche Kernkraftwerke gebaut werden müssen.
Die grosse Mehrheit der Stromkunden beurteilt ihren eigenen Anbieter als „sehr zuverlässig“, ist mit den Leistungen “sehr zufrieden”. Beanstandet werden höchstens die Preispolitik sowie das Ernstnehmen von Kunden.
Die Strombranche als Ganzes hat jedoch bei den Grosskunden ein deutliches Imageproblem. Bei der Charakterisierung der Stromanbieter wählen die Befragten am häufigsten Begriffe wie “Abzocker”, “intransparent” und “monopolistisch”. 12 Prozent der Nennungen fallen auf positiv konnotierte Begriffe wie “fair”, “transparent”, “flexibel”, “kompetent” und “sympathisch”.
Die befragten Grosskunden geben weiter an, dass sie über die Marktöffnung unbefriedigend informiert wurden. Die Informationsleistung der Strombranche betreffend Liberalisierung bezeichnen sie als knapp genügend. Die EKZ jedoch habe ihre Kunden deutlich besser informiert als andere Anbieter.
Letzten Endes, so müssen wir ergänzend festhalten, wäre es der VSE als Branchenverband, der wieder einmal etwas Tapferes leisten sollte hinsichtlich Image der Werke insgesamt. Leider nimmt der Verband das Prinzip “nationaler Verband mit lokaler Verankerung” etwas einseitig wahr, so dass man sich fragen kann, wo das Branchenimage wäre, wenn nicht die einzelnen grossen Werke in der Öffentlichkeit so aktiv wären.






1 Kommentar ↓
1 Kassensturz über Ökostrom | K A S S E N S T U R Z B L O G // Mrz 17, 2011 at 09:20
[...] daraus etwa die fehlende Begeisterung der Unternehmen für diese Art Strom? Unlängst hat ja das gfs-zürich die Stromgewohnheiten der Zürcher Unternehmen untersucht, gerade begeistert für Ökostrom [...]
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