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Kassensturz vom 14.10.2008: Palmöl und die Affen

Oktober 14th, 2008 · Kommentare

Rama von UnileverFür die Palmöl-Gewinnung holzen rücksichtslose Konzerne den Tropenwald ab und zerstören den Lebensraum von Menschenaffen, sagt der “Kassensturz”. Und zeigte deshalb Bilder aus Indonesien. Gleichzeitig wurde dargelegt, welche Lebensmittelkonzerne und Detailhändler – so der “Kassensturz” – “ihre Geschäfte auf Kosten der Natur machen”. Dieser Beitrag war überaus gut dokumentiert.

Biologin Regina Frey von der Umweltorganisation Paneco kämpft seit über 30 Jahren für die Orang-Utans in Südostasien. Der Lebensraum der Menschenaffen wird immer mehr zerstört – ohne Tieflandregenwälder können sie nicht überleben. In den letzten Jahrzehnten sei die Population des Sumatra-Orang-Utans drastisch zurückgegangen. «Von ungefähr 20’000 Sumatra-Orang-Utans sind heuten noch rund 7000 übrig», sagt Frey.

An der Nordwestküste der indonesischen Insel Sumatra, in der Provinz Aceh, liegen die Sumpfregenwälder von Tripa: Dort leben noch 280 Orang-Utans, ein Viertel des ursprünglichen Bestandes. Das Problem: Palmölgesellschaften bepflanzen nicht Brachland, sondern roden wertvollen Regenwald, um aus dem Verkauf des Tropenholzes Profit zu schlagen. Auf das kahlgeschlagene Land pflanzen Arbeiter Setzlinge. Die Ölpalme wächst nur in tropischen Gegenden wie Indonesien oder Malaysia. Die beiden Länder produzieren mittlerweile über 80 Prozent der weltweit steigenden Nachfrage von rund 40 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr. Hauptabnehmer sind Europa und Asien.

Der Konsumgüter-Multi Unilever verbraucht weltweit am meisten Palmöl: 1,6 Millionen Tonnen jährlich kauft der Konzern für seine Produkte ein. «Kassensturz» berichtete über einen lokalen Lieferanten von Unilever: Astra Agro Lestari – eine der Firmen, die in Indonesien den Regenwald von Tripa zerstören.

Unilever in Rotterdam bestätigte, dass sie von Astra Agro Lestari ihr Palmöl bezieht. Weshalb stoppt der Grosskonzern nicht die Rodungen seines Lieferanten? Jan Kees Vis, zuständig bei Unilever für nachhaltige Landwirtschaft, schiebt die Verantwortung auf die ganze Branche ab: «Unilever bezieht nur drei Prozent des globalen Palmölbedarfs. Wenn wir aufhören, von einem einzelnen Produzenten zu beziehen, verkauft der einfach an jemand anderen.» Von einzelnen Verkäufern kein Palmöl mehr zu kaufen, ändere vor Ort gar nichts, sagt Vis.

Der “Kassensturz” ging leider nicht näher auf einzelne Produkte ein. Unilever vertreibt verschiedene Produkte, die unter der Dachmarke Rama laufen. Auf den Produkten und auf der Website von Rama ist vorerst nur von “drei Pflanzenölen” die Rede. Wer aber tiefer in die Website einsteigt, trifft auf Palmöl und Palmkernfett.

Hingegen berichtet der “Kassensturz” sehr ausführlich über Greenpeace. Forstingenieurin Asti Roesle, die bei dieser Organisation arbeitet, kämpft gegen die Palmölindustrie in Südostasien. Waldrodungen würden das Klima massiv anheizen. Sie seien für ein Fünftel der globalen Co2-Emissionen verantwortlich. «Indonesien ist flächenmassig zwar ein kleines Land, aber auf dem dritten Platz bei den Emissionen weltweit, hinter den USA und China», sagt Roesle. Ursache dafür sei die Entwaldung. Doch Nahrungsmittelkonzerne kümmert dies nur wenig. Ihre Lieferanten zerstören weiterhin Regenwälder, Orang-Utans verbrennen oder irren orientierungslos auf den Plantagen umher.

Der Nahrungsmittel-Multi Nestlé bezieht für seine Produkte jährlich 170’000 Tonnen Palmöl – zum Teil von Palmölgesellschaften, die Regenwald roden. Vor der Kamera will der Konzern keine Stellung nehmen. Nestlé schrieb dem “Kassensturz”: «Der Anstieg der Palmölproduktion ist auch wesentlich darauf zurückzuführen, dass Palmöl einer der wichtigsten Rohstoffe zur Herstellung von Biotreibstoffen ist. Nestlé hat sich wiederholt dagegen ausgesprochen, dass Nahrungsmittel für Biotreibstoffe verwendet werden.» Hier hätte der “Kassensturz” aufdecken müssen, dass dieser Hinweis natürlich ein unhaltbares Ablenkungsmanöver war.

In den Texten, die die “Kassensturz”-Website zum Problem liefert, liest man weiter: Die Palmölindustrie hat 2002 einen runden Tisch für nachhaltiges Palmöl gegründet. Vertreten sind im sogenannten RSPO rund die Hälfte der Palmölproduzenten, Händler, Banken, Palmöl-Käufer und NGOs. Auch Unilever macht mit sowie Coop und Migros. Ihr deklariertes Ziel: Zertifiziertes Palmöl, das nachhaltig produziert wird.

Doch der RSPO steht erst am Anfang. Palmölproduzenten roden weiterhin für ihre Plantagen. Greenpeace kritisiert, die Teilnehmer des RSPO würden ihr Nachhaltigkeitsengagement kommunizieren, ohne dass sie die Entwaldung verhindern können. Asti Roesle: «Für uns ist das schlichtweg Greenwashing.» Anders sieht das RSPO-Präsident Jan Kees Vis von Unilever: Der runde Tisch sei der beste Weg, möglichst viele der Palmölbranche einzubinden.

Doch Vis räumt Schwachpunkte ein. «Nötig wäre eine Verschärfung der RSPO-Kontrolle besonders bei neuen Palmölplantagen, wenn dafür neues Land erschlossen wird.» Derzeit beginnt die Überprüfung, ob es sich um schützenswerten Wald handelt und ob der Wald für neue Plantagen überhaupt erschlossen werden dürfte, erst nach der Bepflanzung. Doch die Kontrolle sollte davor beginnen.

Migros verbraucht 6000 Tonnen Palmöl pro Jahr für verschiedene Eigenprodukte. Als Gründungsmitglied des RSPO betont Migros immer wieder ihr Engagement für den Schutz des Regenwaldes. Doch «Kassensturz» weiss: Auf der Insel Borneo im indonesischen Central Kalimantan hat der Hauptlieferant der Migros – die IOI Groupe – erst 2007 Land für neue Palmölplantagen erworben. Darauf rodet die IOI Groupe Regenwälder. Das beweisen die Koordinaten auf dem GPS-Gerät.

Im Rodungsgebiet befinden sich gemäss Umweltprogramm der Vereinten Nationen auch Lebensräume der Orang-Utans. Die Migros rechtfertigt sich: Ihr Lieferant, die IOI Groupe, hätte versichert, sie würde nur Regenwald roden, der nach RSPO-Kriterien nicht schützenswert sei. «Wir müssen uns auf diese Aussagen verlassen und natürlich werden wir diese Vorwürfe auch überprüfen. Treffen die Vorwürfe zu, müssten wir allfällige Konsequenzen überlegen», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel.

Tags: "Kassensturz"-Beiträge

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