Erneut brachte der «Kassensturz», nachdem er eine Chatrunde eingelegt hatte, Aussagen zur Finanzkrise: «Die Gier ist richtig, die Gier funktioniert!» Gespannt hört ein junger Börsenmakler dem Finanzhai im Film Wallstreet zu. Pure Gier führt zu absurd hohen Löhnen – längst hat die Realität die Fiktion übertroffen: Richard Fuld, Chef von Lehman Brothers verdiente schätzungsweise 45 Millionen Franken pro Jahr. Im September kollabierte die Investment Bank.
James E. Cayne, Chef der Investment Bank Bear Stearns. Sein Einkommen: 75 Millionen Franken. Im März stand die Bank vor dem Aus und wurde übernommen. Stanley O’Neal, Chef von Merrill Lynch kassierte bei seinem Rausschmiss 177 Millionen Franken Abfindung. Inzwischen gehört Merrill Lynch der Bank of America.
Millionenboni: Das kritisieren selbst bürgerliche Politiker. Der Berner FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann fordert neue Regelungen: «Die Krise darf sich nicht wiederholen, es kann nicht jeder für sich beliebig in seinen Sack schaffen und nachher den Schaden der Allgemeinheit überlassen.»
Auch Dominique Biedermann von der Pensionskassenstiftung Ethos will das System ändern: Banker sollen nicht mehr dafür belohnt werden, dass sie einzig dem schnellen Gewinn nachjagen. Die Anreize müssten längerfristig ausgerichtet sein, sagt Biedermann. «Nicht auf ein oder zwei, sondern auf drei bis sieben Jahre. Und die Aktionäre sollten über die Lohnpolitik eine Unternehmens abstimmen können.»
Diese Informationen, bruchstückartig ausgespuckt, mögen ja für den Zuschauer interessant sein. Aber sie bestätigen, was Bundesrat und Blogger Moritz Leuenberger mit einigem Recht kritisiert hat: Die Medien bleiben an der Oberfläche, sie recherchieren nicht tief genug, sie lassen es mit dem Anheizen der Stimmung bewenden, sie bieten keine Hilfe, sie liefern keine Lösungsansätze. – Diese Kritik gilt auch für die schwachen und unklaren Aussagen von Prof. Margrit Osterloh im “Kassensturz”-Beitrag. Weshalb hat der “Kassensturz” nicht nachgehakt, wenn davon die Rede ist, dass die Politik aktiv werden soll? Wo genau liegt der Fehler in der Politik, liegt er beim Gesetzgeber, liegt er beim Vollzug?
Ein Tipp von Prof. Osterloh zu den Aufsichtsräten (oder “Verwaltungsräten”, wie eine Zürcher Professorin in einem Schweizer Medium vielleicht besser sagen sollte) wird kaum zur Sensation werden: dass man in diesen Räten den Frauenanteil erhöhen sollte, um die Situation zu verbessern … ei, ei, ei!
Da finden wir im Web schon intelligentere Analysen und Schlussfolgerungen, so im TV-Blog, wo “adam” kommentierte: “Tja, da sind wohl in kürzester Zeit alle Systeme zusammengebrochen. Zuerst der Kommunismus und die staatlich gelenkte Wirtschaft (Marx bzw. heute im Jahre 2008: der Staat rettet die Banken…), und dann auch noch Adam Smith’s “unsichtbare Hand” zugunsten des “Gemeinwohls”. Der einzige, der eben Recht hatte, war Darwin. Das einzige Naturgesetz in der ansonsten “blinden Evolution”, das es eben wirklich gibt, heißt: immer mehr individuelles Wachstum (”the selfish gene”, “Krebszellen”, etc.) und immer mehr (Gier nach) Geld, immer mehr Geld, immer mehr Geld, immer mehr Geld, immer mehr Geld … Und wer dabei am besten abzocken kann, wird eben “positiv selektiert” (und das schon seit Jahrtausenden).





1 Kommentar ↓
1 "Kassensturz" über frustrierte CS-Kunden. | K A S S E N S T U R Z B L O G // Nov 10, 2008 at 17:34
[...] unseres Blogs wissen: Das Thema wurde vom “Kassensturz” schon in den Beiträgen vom 14. Oktober und 21. Oktober 2008 [...]
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