Interessant: Der “Kassensturz” hatte das Thema “Gratisferien” vor Wochen kurzfristig von seiner Web-Vorschau abgesetzt. Ein heikler Vorgang, hinter dem man rechtliche Demarchen vermuten musste. Angesagt war der Beitrag auf den 9. September 2008, doch er kam nicht. Vor dem 23. September gab der “Kassensturz” in der Vorschau bekannt, das betreffende Reisebüro habe mit Hilfe eines Richters die Ausstrahlung des Berichts verhindert. Es stellte sich heraus, dass die superprovisorische Verfügung nicht statthaft war. Und erst viel später entschied das angerufene Zürcher Obergericht, dass der “Kassensturz” sehr wohl ein Recht habe, die Praktiken von Sunshine Touristik zu kritisieren. Nachzulesen auf der Website von Saldo.
Mit «Gratisferien» locke ein Reisebüro Dutzende Kunden in die Falle, hatte es damals in der Ankündigung des “Kassensturz” geheissen. Das Geschenk werde aber teuer in Rechnung gestellt. Seit Wochen wolle «Kassensturz» vor der miesen Masche warnen. Doch mit einem juristischen Trick wolle das Reisebüro dies verhindern. Ohne Erfolg, triumphierte der “Kassensturz” in seiner Vorschau damals. Wirklich ohne Erfolg, fragen wir im Kassensturzblog heute.
Am 23. September berichtete “Kassensturz” nun doch über die Übelstände, allerdings ohne Nennung des Reiseunternehmens. Diese Nennung war und ist “Kassensturz” vorerst untersagt. Nach Ablauf der superprovisorischen Verfügung – die laut Peter Studer unstatthaft war, weil eine Rückfrage beim “Kassensturz” möglich gewesen wäre – wurde aber das Ausstrahlungsverbot aufgehoben und der Beitrag konnte gezeigt werden, ohne Nennung der Firma. Nur der Standort der Firma wurde erwähnt: Wallisellen!
Ei, wird es Sunshine Touristik sein? 20MinutenOnline hat bei diesem Unternehmen recherchiert und wurde natürlich fündig. Es handelt sich tatsächlich um dieses leidlich bekannte Unternehmen.
“Unglaublicher Fall von Zensur”, schreibt der “Kassensturz” auf seiner Website. So “unglaublich” finden wir unsererseits diesen Vorfall nicht, und auch von “Zensur” darf nicht gesprochen werden, so lange das Reiseunternehmen den Rechtsweg beschreitet. Hingegen kann von einem richterlichen Fehlgriff gesprochen werden, wie Studer ja bestätigte.
Die Kritik an der Firma: Diese schickt einen Gutschein für Gratisferien. Aber dieser Gutschein täuscht, denn die Begleitperson bezahlt de facto für beide Personen. Der eingezahlte Betrag wurde nicht rückvergütet – ein offensichtlicher Missstand, vom “Kassenstund” eindeutig zu Recht aufgegriffen. Nun erfährt man aber – wieder von 20MinutenOnline -, dass die Rückzahlungen infolge schlechter Finanzlage nicht getätigt werden konnten und nun nachgeholt werden. Auskunftsperson war immerhin der Geschäftsführer des Unternehmens …
Hat also der “Kassensturz” geschlafen? So oder so hinkt der “Kassensturz” dem K-Tipp hinterher, der schon anfangs September das Thema abgehandelt hatte. Der K-Tipp zitierte die Firma Time for Holiday, die zum Kauf eines Zeitschriften-Abonnements verleitet, indem sie vermeintliche Gratisferien anbietet. Der K-Tipp zeigte am Beispiel einer Frau aus Seewis (GR), dass daraus eine teure Überraschung wurde.
Aber auch für den “Kassensturz” selber ist das Thema nicht neu. Nun, auch Aufgewärmtes schmeckt ja – bisweilen. Am 28. März 2006 hatte der “Kassensturz” über Machenschaften des Swiss Travel Clubs berichtet, im Zusammenhang mit dessen Tauschbörse für Hotelzimmer.
Der Ärger breitet sich aus. Bernhard Maag warnt auf seiner Website eindringlich vor Timesharing-Angeboten und informiert recht umfassend.
Die Angebote von Gratisferien kommen tatsächlich wuchtig daher. “Sie holen den Preis Ihres Flugtickets bereits mit einem Medikament rein”, verspricht ein Veranstalter, und schiebt nach: “In Spanien sind viele Medikamente frei verkäuflich. Wir verraten ihnen, mit welchem Medikament (welches fast jeder braucht) Sie den Preis eines Flugtickets schnell wieder reinholen.” So liest sich der Satz wenigstens, wenn man ihn von den gröbsten Sprachfehlern befreit.
Ein anderer Anbieter samt regelrecht ab – eine australische Samenbank nämlich. Sie will mit dem Angebot von Gratisferien mehr Spender aus dem Ausland locken. Man habe von den Behörden die Genehmigung erhalten, in anderen Ländern damit zu werben, sagte ein Sprecher von «Reproductive Medicine». Die Aktion sei nötig geworden, weil die Zahl der – eigentlich bevorzugten – einheimischen Spender ständig zurückgehe. Auch die Behörden fänden die Idee «ziemlich vernünftig», sagte der Sprecher der Firma im Südosten Australiens.






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