Quizsendungen animieren das Fernsehpublikum zum Anrufen und Mitmachen. Das sei der direkte Weg zum schnellen Geld, versprechen private TV-Sender. Schön wär’s! Zuschauer bezahlen für jeden Anrufversuch und werden hingehalten. «Kassensturz» deckt die miese Masche dieser Shows auf.
Herzliche Gratulation – endlich nimmt das Konsummagazin auch etwas aus der nahen Medienbranche unter die Lupe! Das fiel ja auch nicht besonders schwer, handelt es sich doch um private Sender, da sind die Kanonen von früher her schon eingerichtet.
Das üble Spiel einiger deutscher Sender ist tatsächlich ein Thema. Selbst die Moderatorinnen finden Call-In-TV zum Kotzen, wie man auf Jans Technik-Blog sehr schön mitverfolgen kann (nichts für sensible Gemüter!).
Auf die teure Nummer 0901 09 33 33 fallen zu viele Leute herein und der Weg – wenn schon – über den günstigeren Telefonzugang ist so erschwert, dass Recht verletzt wird (Prof. Marcel Niggli). Davon abgesehen, dass die jeweilige Regie praktisch immer mit den vorgegaukelte Gewinnercouverts schummelt, bis die Kasse stimmt. Darüber berichtete die Website von 20 Minuten sehr gut. Das “NightQuiz” auf 3+ mag als Beispiel dienen.
Unbefriedigend am “Kassensturz”: Weshalb bekommt das Publikum von der schriftlichen Stellungnahme des Anwalts der angesprochenen Firma Mass Response Service zwar etwas zu hören, aber nichts zu sehen und im Wortlaut zu lesen? Sowas gehört ins Internet! Immerhin stammt die Frau, die offenherzig auspackte, aus dieser Firma. Und diese produziert in Wien das Swissquiz für 3+, Star TV und Viva Schweiz.
Frage: “Kassensturz” zeigte einen Einzelfall, da wäre doch eine Gesamtrecherche ganz gut gewesen und hätte auch medial für einigen Wirbel gesorgt – für einen Wirbel in guter Sache! Weshalb bot der “Kassensturz” nicht einen Überblick quer durch die wichtigsten Sender, die “transaktionsorientierte” Beiträge ausstrahlen?
Unbefriedigend: Der TV-Spektakel kumuliert seit längerem, indem ab fortgeschrittener Abendzeit die agierenden hirnlosen Girls auch noch hüllenlos werden. Weshalb blieb diese übliche Sexversion unerwähnt?
Die Mass response Service GmbH, die laut Medienmeldung per 1. April 2008 alle Callactive Produktionen auf dem Schweizer Markt übernahm, ist ein Tochterunternehmen der Telecom Austria. Diese Einbettung ist doch recht prominent, aber dazu kamen praktisch keine Angaben. Klar: Sowas braucht Recherchieraufwand. Aber der hätte sich gelohnt. Die erwähnte Callactive GmbH in München ist ihrerseits ein Unternehmen der Endemol Gruppe – auch das ein ergiebiger Hintergrund.
Vor allem aber: Was ist vorzukehren? Zeigt jemand die Sender an, damit der Betrug abgestellt werden kann? Verbote bringen kaum etwas, hingegen könnte man sich eine Gesetzesregelung vorstellen, wonach bei gewissen Publikumsaktionen eine Warnung eingespielt werden müsste. Nach Art der Zigarettenpackungen würde es dann heissen: “Mit diesem Sender telefonieren kann dich noch vollends blöd machen. Und dazu noch arm.” – Weshalb hat da die “Kassensturz”-Redaktion nicht ihre Kreativität spielen lassen? Ein Stück der “Anspruchslosigkeit”, die Hektor Haarkötter so schön darstellt? Die Fernsehnutzung geht zurück, jene des Internet nimmt zu – ihr müsst was leisten, ihr Leute vor und hinter der Kamera.
Am 27. Juni, wenige Tage nach der Erstausstrahlung, zeigte sich die Meinung der Zuschauer deutlich: In der Web-Abstimmung votierten 93 % dafür, Sendungen wie SwissQuiz zu verbieten, nur 5 % stimmten dagegen, 2 % waren unentschieden. Was man im Laufe dieser Sendung noch nicht erfuhr: dass der “Kassensturz” am 1. Juli 2008 das Thema fortsetzen würde, und zwar mit Hinweisen auf die Telefongesellschaften.





4 Kommentare ↓
1 Baumberger // Jun 24, 2008 at 23:17
Mit der gleichen “Masche” versuchen sie doch bei jeder zweiten
Sendung (Fussball, No Deal usw.) mit einer idiotischen
Frage (weil sie ja davon ausgehen, dass nur Idioten zum Telefon
greifen), dass Zuschauer eine teure Telefonnummer anrufen. Mit dem Geld, das
sie dabei kassieren, lassen sich die ausgesetzten Preise jederzeit
leicht wieder hereinholen. Oder kann mir jemand erklären, was sonst ihre
Beweggründe sind?
2 Nebelspalter // Aug 21, 2008 at 22:22
Habe mir erlaubt Ihre 2 Blogs zum Callin – Thema
hier zu Kommentieren und in das Thema einzubinden.
http://call-in-tv.net/viewtopic.php?p=129487#129487
Mfg aus der Schweiz
Nebelspalter
3 K A S S E N S T U R Z B L O G » Post Topic » Kassensturz vom 1.7.2008: TV-Quizshows (Forts.) // Jul 16, 2009 at 07:37
[...] Mal war die Abzocke durch die Quizveranstalter das Thema, der Kassensturzblog bot einen Bericht zu jener Sendung. Diesmal waren es die mitverdienenden Telefongesellschaften wie Swisscom, Sunrise [...]
4 Bernet // Okt 26, 2009 at 01:33
Grüezi
Niemand muss anrufen aber … Es gibt sie, die sozial schwächere Schicht – welche oft in diverse dieser Call-In-Sendungen anruft. Der TV-Verantwortliche solcher Sendungen schaut dabei rücksichtslos auf fetten Profit, ununterbrochen. Unterstützt werden die Betreiber auch noch tatkräftig von den Telefonanbietern und Kabelbetreibern. Möglicherweise aus rechtlichen Gründen sendet z. B. swissquiz nicht aus der Schweiz – Feigheit? Ich begreiffe nie, warum unsere CH-Behörde bei diesem täglichen, dreisten Betrug einfach weiter pennt!
Wir sind das Volk, welches Geld an den Staat zahlt und letztendlich auch oft solche Sozialbezüger unterhält – es gibt sie leider. Können wir das noch dulden? Nein, wir wollen das nicht länger ansehen! Basta!
Ein CH-Bürger
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