Bier, Chips, Burger und Pommes sind die Garanten eines gelungenen Fussballabends. Das gilt natürlich auch für die Euro 08. Da lag es für den “Kassensturz” auf der Hand, nach dem Bier auch die Chips unter die Lupe zu nehmen.
Die Fussball-Nähe ist den Chips-Herstellern längst bekannt. Umsonst ist Lorenz Bahlsen nicht offizieller Lieferant der Deutschen Fussball-Nationalmannschaft. Und die ebenfalls deutsche Chio-Chips Knabberartikel GmbH zeigt auf der Website ihre Tortilla-Chips im Kicker-Fieber.
Prompt ist die Nachfrage nach Chips in der Schweiz stark angestiegen, noch ehe das erste Spiel angepfiffen wurde. In solcher Bedrohung hat Bundesrätin Doris Leuthard den Zusatzimport von Kartoffeln bewilligt, damit die knackigen Dinger nicht fehlen, wenn die Tore fallen.
Vertreten wird die schweizerische Kartoffelwirtschaft durch Swisspatat.
Ganz vorne mischt Zweifel mit. 1958 hatte Heinrich Zweifel sen. den kleinen Betrieb seines Cousins Hans Meier übernommen und daraus ein Erfolgsunternehmen gemacht. Zweifel war damals bekannt wegen seiner Mosterei in Höngg.
Heute zählt das Unternehmen 400 Mitarbeitende, es werden in Spreitenbach jährlich 5 000 Tonnen Chips hergestellt, der Umsatz stieg 2007 auf 176,3 Millionen Franken. Zweifel deckt immerhin 70 Prozent des helvetischen Chips-Appetits.
Dass “Fussballernährung” böse Folgen zeitigen kann, ist kein neues Thema, und auf die Euro 08 hin sind schon verschiedene Kreise warnend aktiv geworden. Wer beispielsweise die Kalorien nachrechnen möchte, kann einen interessanten Bericht darüber nachlesen. Und die deutsche Krankenversicherung DAK erliess am 27. Mai 2008 eine Medienmitteilung, worin sie vor “angefuttertem Hüft-Gold” nach der Europameisterschaft warnte.
“Kassensturz” wühlt hier in einem Thema, in welchem er schon vor der WM 2002 aktiv geworden war. Damals, am 4. Juni 2002, berichtete er über das krebserregende Acrylamid in Pommes Chips, nachdem die Schweden diesen Stoff erkannt hatten. Darüber informiert unter anderem das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sehr gut. Und der deutsche Krebsinformationsdienst sagt, wie man sich vor dem Krebsrisiko durch Acrylamid schützen kann. Sehr informativ ist ein Faktenblatt des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung BfR. Auch beim Gesundheitstipp lässt sich einiges nachlesen über Belastungen durch Pommes Chips.
Von solchen alten Themen kann der “Kassensturz” einfach nicht lassen, obwohl das Thema abgegrast und die raschelnden Chips längst “übertestet” sind. Wenigstens hat der “Kassensturz” sein Prüfmuster vom Acrylamid auf den Fettgehalt der Chips gewechselt. Das ist doch schon was. Die Anteile von gesättigten Fettsäuren (“bösen”) und ungesättigten (“lieben”) spielen hier eine entscheidende Rolle, auch die Wahl des Öls hat Folgen (Sonnenblumenöl ist besser als Palmöl). Die Präsentation war für den Zuschauer sicher hilfreich, wenn auch in der Substanz nicht eben neu.
Ein “Sehr gut” bekamen “Terra Chips” von Migros, “Cractiv Chips” von Zweifel und “Léger Chips” von Migros. Die Testresultate kann man auf der Website des “Kassensturz” im Detail anschauen.
Den Roulette-Film im Hintergrund fanden wir deplatziert, verwirrend und auch nicht lustig. Hier stimmte nicht einmal die Aussprache von “faites vos jeux”. Anders Moderator Ueli Schmezer, dessen Humor die Chips-Story humorvoll aufmischte.
Bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung kann der Konsument weitere Informationen einholen. Leider bekommt er sie nicht direkt auf der Homepage dieser Gesellschaft, sondern erst, wenn er die Suchfunktion in Gang setzt und sich mühsam durchkämpft. Wieso agieren solche Gesellschaften so träge auf aktuelle Berichte in den Medien?






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